100 Jahre evangelische Pfadfinderarbeit in Unterfranken

Am ersten Mai-Wochenende feierte die Region Mainfranken 100 Jahre evangelische Pfadfinderarbeit in Unterfranken – zwei Jahre zu spät, wie sich erst vor kurzem herausstellte.

Nach der Studienreise von CVJM-Sekretären nach Großbritannien 1910 wurden auf ihre Anregung sofort evangelische Pfadfinderabteilungen gegründet. In Unterfranken waren die CVJMs in Würzburg, Schweinfurt, Kitzingen und Zeitlofs die ersten mit Pfadfinderabteilungen, auch in Aschaffenburg bildete sich eine Pfadfinderabteilung im evangelischen Verein Philadelphia.

Bereits zwei Jahre später hatten die Abteilungen teilweise mehr als 100 Mitglieder und veranstalteten Ausstellungen, nahmen an Pfadfindertagen teil oder waren bei der Gründung des Bayerischen Christlichen Pfadfinderbundes 1911 auf Burg Hoheneck beteiligt.

Durch den 1. Weltkrieg gab es einen deutlichen Einschnitt: Zahlreiche Führer und Mitglieder waren gefallen, Richtungskämpfe in der evangelischen Jugend zwischen denjenigen, die ausschließlich Jugendevangelisation durchführen wollten und jenen, die eher methodisch arbeiten wollten, machten der Pfadfinderidee das Leben schwer.

Schließlich kam es zur Abspaltung der Pfadfinder/innen und der Gründung eines eigenen Bundes. Zumeist war dies die 1921 durch die Neudietendorfer Grundsätze entstandene Christliche Pfadfinderschaft Deutschlands bzw. die Tatgemeinschaft Christlicher Pfadfinderinnen. Aber auch lokale Bünde wie der Christliche Pfadfindertrupp Würzburg prägten das Bild.

Mit der Eingliederung in Hitlerjugend und Bund Deutscher Mädel und dem endgültigen Verbot durch die Nationalsozialisten endete diese erste Zeit evangelischer Pfadfinderarbeit, nicht nur in Unterfranken.
Doch noch während des 2. Weltkrieges zeigten einige mutige Pfadfinderinnen, dass sie der Ideologie des Nationalsozialismus etwas entgegenzusetzen hatten: Sieben junge Frauen gründeten in der Osternacht 1942 den Casteller Ring, aus dem der Bund Christlicher Pfadfinderinnen und die Communität Casteller Ring hervorging.

Nach der Befreiung vom Nationalsozialismus gab es schnell Neu- und Wiedergründungen von Pfadfinder- und Pfadfinderinnenarbeit. Durch die kriegsbedingten Vertreibungen waren auch in vorher katholisch geprägten Orten Unterfrankens zahlreiche Evangelische heimisch geworden. Dadurch wuchsen die Stämme der CP und die Burgen des BCP kräftig an.

Ab Anfang der sechziger Jahre begann dann ein Abschwung. Angebote für Jugendliche wurden zahlreicher, es wurde mehr verdient und damit konnten die Familien sich auch mehr leisten, z.B. Urlaube. Schließlich begann auch der gesellschaftliceh Umschwung der 68er, ins verträumte Unterfranken zu gelangen (manche behaupten, dies sei erst ab Ende der 70er der Fall gewesen). Auch die Fusion von BCP, CP und EMP zum VCP hatte Folgen. Allzuschnell wurde Bewährtes als überholt über Bord geworfen, auch persönliche Mißstimmigkeiten gab es – trotz Pfadfinder/innenversprechen! In den 80ern gab es schließlich VCP-seitig nur noch Burg Rieneck und Christelried in Unterfranken. Ab 1987 wurden durch Neu- und Wiedergründungen erste Stämme wieder gebildet, welche die damalige Region Main/Spessart bildeten.

Nach einer erneuten Durststrecke ab Mitte der 90er wurde die Region dann mit tatkräftiger Unterstützung des Landes stabilisiert. Heute zählt die Region Mainfranken, wie wir jetzt heißen, 5 Stämme und bemüht sich, die Pfadfinder/innenidee weiter zu stabilisieren und auszubauen.

Bei unserer 100-Jahr-Feier waren zahlreiche Ehemalige angereist und hatten auch mit persönlichen Erinnerungen und alten Dokumenten dazu beigetragen, dass das Wochenende vielen in guter Erinnerung bleiben wird.

Zur Feier wurde eine Festschrift herausgegeben, die über die Regionsleitung oder Albas (Henning Albrecht, 100Jahre@vcp-wuerzburg.) erhältlich ist. Auch vom Jubiläumsabzeichen gibt es noch Restexemplare!